Fünf Punkte gegen Corona









Offenbach, 31.03.2021
Weil Corona eine ernste Bedrohung für unser Leben ist, müssen wir dem Kampf dagegen eine hohe Priorität einräumen. Die offiziellen Maßnahmen gegen Corona entwickeln sich aber jede Woche mehr zu einem Kampf gegen das bisschen Leben, das uns noch nach Feierabend bleibt. Schon der lächerliche Vorschlag, Osterdonnerstag für einen Tag die Wirtschaft, herunterzufahren scheiterte am politischen Willen. Nach einem Jahr Corona und mehr als 75.000 Toten haben wir keine Geduld mehr, und sehen es auch nicht mehr ein, die Last alleine zu tragen. Im Moment scheint jede bestehende Verletzlichkeit ausgenutzt zu werden, um die Schwächsten weiter zu belasten. Dagegen fordern wir fünf Sofortmaßnahmen um unser (Über)Leben unter Coronabedingungen wenigstens etwas erträglicher zu machen.

•    Bezahlter Sonderurlaub statt Ausgangssperren! Erzwungene Betriebsferien sind ein effizienter Weg die allgemeine Mobilität und Kontaktzahl zu senken. Wir sind bereit unseren Beitrag zur Infektionsreduktion leisten, in dem wir uns nicht mehr auf der Arbeit oder dem Weg dorthin anstecken.
•    Verdopplung des Budgets für Frauenhäuser! Für viele ist Zuhause kein sicherer Ort. Der allgemeine Stress entlädt sich häufig in häusliche Gewalt. Um davor Schutz finden zu können ist jetzt sofort ein Ausbau der Frauenhäuser-Infrastruktur notwendig.
•    Stop von Zwangsräumungen! Trotz Corona gehen die Räumung von prekär lebenden Menschen auch in Offenbach weiter; die Appelle Zuhause zu bleiben werden zynisch, wenn gleichzeitig Menschen ihr Zuhause genommen wird.
•    Auflösung von Massenunterkünften und Öffnung der Hotels für Bedürftige! In Massenunterkünften ist Kontaktreduktion faktisch unmöglich, gleichzeitig ächzt das Hotelgewerbe unter Schließungen. Retten wir die Hotels und ermöglichen Menschen einen sicheren Rückzugsort mit Würde und Privatsphäre.
•    Straßen zu öffentlichem Raum! Wir wollen unsere Familie, Freunde und Nachbarn draußen treffen können, damit wir uns nicht drin anstecken müssen. Um kontaktarme Begegnungen im Freien zu ermöglichen, um den Frühling gegen die Vereinsamung in Stellung zu bringen, fordern wir Straßen für den Autoverkehr zu sperren und Begegnungsräume zu schaffen.

Angesichts der galoppierenden dritten Welle von Corona-Infektionen hat die Stadt Offenbach am 29.03.2021 eine nächtliche Ausgangssperren verhängt. Der Oberbürgermeister scheint beweisen zu wollen, das unser Leben tatsächlich auf das von Ameisen (Arbeiten – Essen –Arbeiten - Essen) reduziert werden kann. Er sagt explizit, Ausgangssperren seien die Alternative zu Beschränkungen der Wirtschaft. Tatsächlich sind weite Teile der Wirtschaft (besonders: Produktion, Immobiliensektor und Bürojobs) praktisch unbeschränkt, die Politik spricht höchstens unverbindliche Empfehlungen aus. Die Belastungen sollen auf uns abgewälzt werden, damit die Exportweltmeisterschaft nicht gefährdet wird. Andere Handlungsfelder werden vollkommen ausgeklammert. Wir aber sind nicht mehr bereit zu verkümmern und zu sterben, bloß damit der Laden läuft.
Wir fordern einen solidarischen Umgang, der sich nicht darin erschöpfen kann, niemanden zu sehen als die Arbeitskolleg*innen und ungefähr 200 Andere auf dem Weg zur Arbeit. Wir fordern nicht zu vergessen, dass nicht alle ein sicheres Zuhause haben, in dem sie im homeoffice mit Lieferessen und Unterhaltungselektronik überwintern können. Wir haben den Frust über Polizeiwillkür und racial profiling nicht vergessen, wegen denen die Opernplatz-Ausschreitungen letztes Jahr stattfanden.

Erstunterzeichner*innen:

AStA Goethe Universität Frankfurt
ASVI - Aufklärung statt Verschwörungsideologien
Beta.KollektivGut.Kiosk
Elfriede Harth (Care-Revolution-Rhein-Main)
FAO - Feministisch Antifaschistisch Offenbach
Initiative We Need Homes Frankfurt
LOS Offenbach Solidarisch
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weitere Unterzeichner*innen:

AK069
unter_bau


Stand: 01.04.2021